Multitalent macht’s mit links

Multitalent macht’s mit links

Ein Leben für den Sport: Hannah Schiwon ist sowohl im Badminton als auch Fußball ein Ass.
Foto: Jörn Hannemann

Von Peter Klute
Elsen (WB). Über besondere sportliche Fähigkeiten zu verfügen, ist nichts Außergewöhnliches. Dass jemand aber gleich zwei Sportarten erfolgreich und auf hohem Niveau betreibt, ist dagegen nicht typisch. Hannah Schiwon ist so ein Multitalent, spielt mit dem BC Phönix Hövelhof Badminton in der Regionalliga und mit dem Frauenteam des SC Borchen in der Fußball-Landesliga. „Der Sport ist mein Leben“, sagt die 22-Jährige.

Doch das allein reicht nicht, wenn man so eine Ebene erreichen und sich von der breiten Masse absetzen möchte. Hannah Schiwon, als Mittlere von Drillings-Mädchen geboren, ist mit jeder Menge Talent auf die Welt gekommen. „Sonst könnte sie nicht solche Leistungen bringen“, sagt Borchens Trainerin Sabrina Schütte. Auf den Fußball bezogen heißt das: Sonst könnte sie mit wenig Training nicht solche Leistungen bringen. Schütte sagt aber auch: „Badminton geht für Hannah klar vor.“ Schiwon selbst bestätigt das und begründet auch, warum: „Erstens bekommst du als Einzelspielerin ein größeres Feedback und zweitens war ich im Badminton von Anfang an erfolgreicher.“ Doch den aktiven Fußball möchte der SC Paderborn-Fan keinesfalls missen, er ist mehr als ein Ausgleich. „Gerade wenn ich länger nicht da war, macht das Training in Borchen mit diesen verrückten Typen einen unglaublichen Spaß.“

Hannah ist ein absoluter Teamplayer.

Martin Brameyer

Die ersten Schritte in beiden Sportarten tat Hannah 2004 bei der TuRa Elsen. Sport spielte für die Schiwon-Drillinge schon in der Kindheit eine große Rolle. Lea und Hannah spielten zuerst Badminton und sind noch heute in Borchen in einer Fußball-Mannschaft vereint, Karen fand ihr Glück in der Leichtathletik. Der ältere Bruder Michael ist nicht so sportbegeistert, ebenso wie Mutter Cornelia. Vater Martin spielte früher Tennis. Für die meisten Furore aber sorgt Hannah. Fußball und Badminton kommen sich als Sportarten nicht zu sehr in die Quere, weder zeitlich noch motorisch. Doch Hannah weiß: „Wenn ich vorher Fußball gespielt habe, geht mein Laufrhythmus für das Badminton verloren. Und es ist erstaunlich, dass mein Hövelhofer Trainer Martin Brameyer das immer sieht.“

Ein Geheimnis ist ihre Doppeltätigkeit nicht und weder Brameyer noch Schütte möchte die Dienste Hannah Schiwons missen, loben neben ihren sportlichen Fähigkeiten vor allem ihren Charakter und Mannschaftsgeist. Brameyer betont: „Hannah ist ein absoluter Teamplayer, ich kann mich zu 100 Prozent auf sie verlassen. So eine Spielerin wie sie kann man sich als Trainer nur wünschen.“

Ehrgeiz gehört selbstverständlich auch dazu, aber im Rahmen. Der Wechsel auf ein Badminton-Internat, wie ihn einst die Hövelhofer Petrikowski-Schwestern Judith und Jule vollzogen, war für Hannah Schiwon nie wirklich ein Thema. Auch der Aufstieg in die 2. Badminton-Bundesliga, der in Hövelhof durchaus diskutiert wurde, oder die Rückkehr in die Fußball-Westfalenliga (der SC Borchen beendete die Abbruch-Saison auf Rang zwei) stehen für sie nicht an oberster Stelle. „Geplant ist das nicht. Wir wollten mit Borchen Meister werden, alles andere haben wir offen gelassen. Wenn ich in der 2. Liga Badminton spielen würde, müsste ich mit dem Fußball sofort aufhören. Das wäre eindeutig zu viel.“ Schütte sieht es, auf den SC Borchen bezogen, ähnlich: „Die Mädels haben die Landesliga ein Stück weit genossen, weil sie nicht so viel Zeit in Anspruch genommen hat. Es ist ein Unterschied, ob du zu Spielen an die holländische Grenze fährst oder nach Sennelager und Hövelhof.“ Da aufgrund des Abbruchs nun sowohl der aktuelle Tabellenführer als auch der Herbstmeister aufsteigen, ist der SCB für die Westfalenliga qualifiziert. In Abstimmung mit Schütte und Obmann Mike Schmitz stimmt die Mannschaft bis Ende nächster Woche über den Aufstieg ab.

Darunter leiden manchmal auch Freundschaften.

Hannah Schiwon

Von Hannah Schiwon kommt wohl eher ein Nein, ihr Termin-Kalender ist auch so voll genug. Vor der Corona-Krise gab es in ihrem Leben keinen Tag ohne Sport. Montag, Mittwoch und Freitag Badminton-Training, Dienstag und Donnerstag Fußball und am Wochenende Spiele. Das ist viel, manchmal zu viel. „Es ist schon sehr zeitaufwendig, darunter leiden manchmal auch Freundschaften. Und es hat durchaus auch schon Momente gegeben, in denen ich in der Halle gestanden habe und mich einfach nicht mehr bewegen wollte.“ Die aktuelle Situation ist für sie dennoch „ganz schrecklich und langweilig“. Sie vertreibt sich ihre Freizeit durch Laufen oder macht Krafttraining mit ihrem Freund Felix, wie könnte es anders sein, ein Badmintonspieler, aktiv in der 3. Mannschaft des BC Phönix. „Es war klar, dass mein Freund sowohl sportinteressiert als auch sportlich sein muss“, formuliert sie ihr Partner-Anforderungsprofil. Bei direkten Duellen ginge es eng zu, verrät sie mit einem Lächeln und fügt hinzu: „Da entscheidet die Tagesform.“

Dass Hannah Schiwon sich für den Sport entschieden hat, liegt in ihrem Naturell. Dass sie es weit gebracht hat, auch daran, dass sie alles mit links macht, außer essen. „Ob beim Fußball oder Badminton, gegen Linkshänder und Linksfüßer spielt kein Gegner gerne. Es ist ungewohnt und ein Vorteil für mich. Daher bin ich vielleicht auch so begehrt“, sagt sie schmunzelnd.

 

Zweikämpfen geht sie gerne aus dem Weg

Anteil an Hannah Schiwons erfolgreichem sportlichen Weg haben natürlich auch ihre Trainer. Heimtrainer Martin Brameyer und ihr früherer Jugend-Stützpunktcoach Stephan La Rocca haben sie im Badminton am meisten geprägt, beim Fußball trifft das auf ihren ehemaligen Borchener Trainer Ralf Lübbert sowie aktuell Sabrina Schütte zu . Dabei kommt es ihr zu Gute, dass die genannten Trainer in den betreffenden Sportarten „unterschiedlicher nicht sein könnten“, wie sie sagt. Während Freund Felix Hannahs Aggressivität am Netz „bewundert“, geht sie beim Fußball Zweikämpfen „gerne aus dem Weg“.

Sie weiß, dass Sport treiben auf diesem Niveau endlich ist, erst recht im Doppelpack. „Beides zusammen wird irgendwann nicht mehr gehen, spätestens dann, wenn ich einen Job habe und den ganzen Tag arbeiten muss. Schließlich verdiene ich weder mit Badminton noch mit Fußball Geld“, erzählt sie. Doch der Sport wird im Leben von Hannah Schiwon immer eine Rolle spielen. An der Universität Paderborn studiert sie Sportökonomie, ihr Wunsch ist es, wen wundert es, mal in einem Sportverein zu arbeiten. Auch das macht sie sicher mit links.

Hier gehts zum Artikel im Westfalen Blatt.

Leonie Blanke

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